Meine SR500

Anscicht meiner SR in 2012
Aktuell, 2012

Geschichte

Ich hatte ca. 1 Jahr lang, gleich nachdem ich meinen Führerschein gemacht hatte (nach div. Mofa-, Mockick- usw. Erfahrungen) eine CB250 - sie war weiß und keine Freude. Im nächsten Frühjahr erstand ich (m)eine gebrauchte SR500 - vieles von ihr fahre ich immer noch.
Sie war dunkelrotmettalic und hatte Alufelgen: Ich hab' sofort angefangen, sie umzubauen. Das muss 1986 gewesen sein.
1990 bin ich für 1 Jahr in die USA aufgebrochen. Ich habe meine SR in eine Kiste gepackt, in New York im Hafen alles wieder zusammen gebaut, und bin quer durch die Staaten nach Oregon gefahren, wo ich in Eugene an der Uni arbeiten konnte. Von dort bin ich kreuz und quer durch Nordamerika gereist und war glücklich, damals schon meinen großen Tank gehabt zu haben: "next gas station 186 miles" hätte ich mit dem Originaleimerchen nicht geschafft.
Bepackt auf dem Campus in Eugene, Oregon, 1991
Auf dem Campus in Eugene, 1991
Irgendwann ist an der Zylinderbefestigung am Öltank ein Haarriß entsanden - ich hab einen findigen Schweißer gefunden, der großzügig einen Flicken drübergebraten hat und fuhr fortan ohne obere Motorhalterung: Damit war klar, dass der Rahmen nicht wieder mit ins diesbezüglich doch deutlich engstirnigere Deutschland kommen konnte...
Vor New York lernte ich ein paar Harley-Freaks kennen, die Interesse an meinen Ochsenaugen hatten, und mir dafür im Tausch den Rahmen und Getriebeblock entsorgten. Meinen Tank, Zylinder, Schutzbleche, Gepäckträger, Sitzbank, getunten Zylinder (letzteren im Handgepäck, der Rest überschritt schon das zulässige Gewicht) und ein wenig Kleinkram nahm ich in Seesäcken mit zurück.
Ich kaufte eine gebrauchte SR und begann von neuem, heute, 20 Jahre später, liebe ich sie immer noch genauso.

Motor

Motor und Vergaser, 2012Im Motor werkt ein Wisco-Kolben in "irgendeiner" Übergröße mit gehobenem Kolbenboden. Es ist eine Wunderlich-Nockenwelle verbaut und eine Doppelzündung, d.h. es gibt eine zweite Zündkerze. Seit einem meiner ersten Umbauten ist eine Doppelschmierung für die Kipphebelwellen eingebaut. Statt des OT-Schauglases ist ein XT-Deckel eingesetzt, und die Drehzahlmesserwelle liegt schon viele Jahre bei "was ich schon immer mal verschenken wollte". Mein einwandiger Krümmer war auch schon in USA, aber das daran anschließende offene Rohr musste mehrfach anderen Varianten weichen: Aktuell fahre ich einen wirklich tollen Topf von Wulf Peppmöller aus Edelstahl im klassischen SR-Look mit vergrößertem Duchlass, der mit meinem offenen Luftfilter und dem Mikuni TM 36-31 prima harmoniert.
Ich hatte lange Zeit Temperatur-Probleme, nachdem ich als erstes den flotten Kolben, Nockenwelle, Kümmer und Auspuff (damals das erwähnte Rohr in Variationen) umgebaut hatte. Ich habe dann eine Ölkühlung eingebaut und die zweite Zündkerze (beides Wunderlich) in den Kopf einsetzen lassen, aber erst mit dem Vergaser, der sich extrem genau einstellen lässt, habe ich die Probleme in den Griff bekommen, so dass ich jetzt durchaus mal ein Stündchen auf der Autobahn mit 160 km/h lt. GPS unterwegs sein kann (auch wenn ich dann Muskelkater krieg' ;-) )...

Fahrwerk

Ich hab' vom Schrott die Doppelscheibe (und Bremsgriff) einer XJ650 verbaut, dazu Stahlflex-Leitungen, hinten Bilstein-Dämpfer, außerdem die Hinterachs-Schwinge neu gelagert, ansonsten ist das Fahrwerk unverändert.

Rahmen etc.

Der Rahmen ist nur wenig modifiziert. Die Brücke über dem Hinterrad wurde entfernt, die Anbauteile für den Luftfilterkasten und Batteriehalter waren überflüssig.
Lampe und Lampenhalter sind original - allerdings nicht zu meiner Maschine (ich vergeß' immer, welches BJ was ist, jedenfalls ist dies die größere Bauform). Gleiches gilt für den Lenker. Die Griffe mit Lederbezug habe ich vor vielen Jahren von Louis erworben. Die Lenkerend-Spiegel sind recht neu, die Bezugsquelle suche ich bei Bedarf mal raus.
Der Tank ist von Wunderlich und fasst gut 22 Liter. Die Sitze und der Gepäckträger (auf den der Beifahrersitz eingeklickt werden kann) sind eine Eigenkonstruktion. 
Fahrersitz und GepäckträgerSitzschale des Sozius-Sitzes, 2012Ja, die Sitze sind etwas spartanisch, die erste Fassung war'n Brett. Auf der handgeschweißten Stahlschale liegt je ein Schaumstoffkern, über den verschiedene Schichten Baumwolle gezogen sind. Die oberste Schicht ist Leder, darunter eine Folie als Feuchtigkeitssperre. Ich hab' Ösen eingenietet und das Leder mit einem sehr weichen Draht durch feine Löcher in der Stahlschale aufgezogen.
Den Gepäck- und Schutzblechträger und die Kofferträger habe ich mal aus Edelstahl schweißen lassen (ich hab's als Prototyp in Kupfer gelötet, weil ich keine entsprechenden Gerätschaften hatte und der Stahlbauer hat's einen Lehrling als Gesellenarbeit machen lassen, begleitet mich schon über 20 Jahre).
Das hintere Schutzblech aus Edelstahl habe ich irgendwo im Versand erstanden. Den Lampen- und Backblechhalter hinten habe ich aus Edelstahl gefaltet und mit der original Gummilagerung befestigt. Die hintere Lampe ist von Louis (wenn ich mich recht entsinne; es war damals die kleinste mit ABE - ich hab' dringend vor, was schöneres zu bauen).
Die Koffer sind interessanterweise original-Yamaha, sehr schlicht, und nicht so furchtbar voluminös, die vorherigen Plastikpötte mussten wegen des Gepäcklimits in USA bleiben.

Elektrik

Durch die Ochsenaugen und den Wunsch, das Cockpit zu verschlanken, ergab sich recht früh der Bedarf nach einer Erneuerung der Elektrik.
Inzwischen sind alle motornahen Kompnenten unter dem Sitz untergebracht und der Rest in der Lampe. Hinten befinden sich nur noch Bremslicht, Fahrlicht und Nummernschildbeleuchtung (= 3 Kabel).
Elektrik unter dem Sitz, 2012Unter dem Sitz sind der Gleichrichter, die CDI-Einheit, das Zündschloß, die Zündspule und ein Kondensator auf einem Edelstahlträger untergebracht (die überflüssige Batterie wurde entsorgt).
Elektro-Trägerplatte unter dem Fahrersitz, 2012
Alle Anschlüsse werden oberhalb in einer Steckerleiste zusammen gefasst: hier kommen von "vorn" die Schalter (und die Lichtmaschine/Zündung/-geber) an und werden in die Einheiten verteilt. Der Kabelbaum vorn enthält also nur noch: Masse, Gebrauchsstrom (nach Zündschalter), Standlicht, Bremslichtschalter (von vorn), Drehzahlmesserimpuls und Tachometer-Impuls.
Im Scheinwerfer werden die Leitungen verteilt. Hier befindet sich das elektronische Blinkerrelais (Louis) und ein USB-Trafo (für's Navi), außerdem die Verschaltung für's Fernlicht und die Anschlüsse für's Tachometer.
Griffeinheit rechts mit Eigenbau-Tacho und Lenkerend-Spiegel, 2012Das Innenleben des Tachometers stammt von Detlev Krumschmidt von 2004, ich habe per CAD ein Gehäuse entworfen und wollte es gern in Aluminium fräsen lassen - bis ich den Preis gehört habe, der den Wert meines Motorrads und mein Monatseinkommen um ein Vielfaches überschritten hätte. Dann habe ich es bei dem Protoypenbauer Materialse in Kunststoff fertigen lassen und es ist stabil genug für den täglichen Einsatz. Die Taster-Stifte hat mir mein Kollege Dietmar aus Messing gedreht.
Tachometer-Geber mit Reedkontakt und Magnet auf dem Kettensicherungsblech, 2012
Als Tachometer-Geber habe ich einen Reed-Kontakt in einem Alu-Bauteil (irgendwelcher Schrott) in Schiffs-Dichtungsmasse versenkt und einen Neodyn-Magneten auf das Ritzelsicherungsblech gepappt.
Für den Drehzahlmesser habe ich eine Leitung von der CDI-Einheit zur Zündspule abgegriffen.